In diesem Jahr feiern wir „das 160jährige Jubiläum der Freundschaft zwischen Japan und Deutschland“. Was ist der Anlass zu diesem Jubiläum?

Die Preußen waren nicht die ersten, die mit Japan Handelsbeziehungen aufnehmen wollten. Vor ihnen hatten schon Amerika, Großbritannien, Holland und Frankreich die Beziehungen aufgenommen. Erst als Österreich-Ungarn und die kleine Schweiz ebenfalls Missionen nach Asien entsenden, um von dem neu entstehenden Handel nicht ausgeschlossen zu werden, beschließt die preußische Führung am 15. August 1859 die Entsendung einer eigenen Expedition. Aber die handelspolitischen Ambitionen waren letztlich nicht für den Entschluss, die Eulenburg-Expedition zu entsenden, verantwortlich. Die Entsendung entsprach vielmehr einem geheimen militärischen Ziel des preußischen Flottenkommandos, nämlich den möglichen Erwerb überseeischer Kolonien zu prüfen. Die Mission stand unter einem ungünstigen Stern. Der ursprüngliche Expeditionsleiter Emil von Richthofen (1810-1895) trat von seinem Amt zurück, da er mit der Besoldung unzufrieden war. Am 10. Oktober 1859 erhielt Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg schließlich den Auftrag, die Ostasien-Expedition zu leiten und einen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag mit China, Siam und Japan abzuschließen.

Insgesamt brachen die Preußen schließlich mit vier Schiffen – der Arcona, der in England erworbenen Thetis, dem Schoner Frauenlob und dem Transportschiff Elbe – mit 652 Seesoldaten sowie  die Hälfte des bestehenden Seeoffizierscorp in Richtung Asien auf. Die Überfahrt erwies sich als gefährlich. Die Arcona schleppte sich von Havarie zu Havarie und musste bereits in England, wo schon die ersten Besatzungsmitglieder desertierten, repariert werden. Die Expedition ihre Fahrt fort und gelangte schließlich in asiatische Gewässer, allerdings sank die Frauenlob während eines Taifuns in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1860, nur einen Tag vor der Ankunft in Japan mit 42 Mann Besatzung, darunter fünf Offiziere. Ungeachtet dieser Schwierigkeiten traf die Mission am 4. September 1860 in Japan ein und die Mitglieder waren voller Euphorie.

Aber auch die Verhandlungen erwiesen sich als schwierig.  In Japan wurde eine innenpolitische Strategie verfolgt, die vorsah, einen neuen Vertrag so lange zu verhindern, bis eine Heirat zwischen dem Shogun und der Halbschwester des Kaisers Kazu-no-miya die innenpolitischen Verhältnisse stabilisiert hätte. Deshalb hatten die Beamten Sakai Tadayuki und Hori Toshihiro (1818-1860) den Auftrag erhalten, mit Eulenburg zu verhandeln und einen Vertragsabschluss hinaus zu zögern.  So lehnten die Japaner am 14. September 1860 einen Vertragsabschluss als unmöglich ab, versprachen jedoch am 2. Oktober, irgendwann in der Zukunft einen solchen zu gewähren. Am 06. November 1860 (im 1. Kaiserlichen Jahr Manei) veranlasste interne japanische Kritik  Hori Toshihiro, Selbstmord zu begehen. Er starb im Alter von 43 Jahren.  Als neuer Verhandlungsführer wurde Andô Nobumasa (1819-1871) eingesetzt. Andô lehnte die Gültigkeit des Vertragstextes ab, in dem es heißt, dass alle Staaten, die es wünschten, mit Japan einen eben solchen abschließen könnten. Es war die anstehende Öffnung japanischer Häfen für den westlichen Handel, die den Abschluss ermöglichen sollten. Als Eulenburg jedoch die anderen deutschen Staaten ins Spiel brachte, fühlten sich die Japaner hintergangen und die weiteren Verhandlungen nahmen noch einmal einige Wochen in Anspruch. Als am 15. Januar 1861 der niederländische Übersetzer der Gesandtschaft Henry Heusken (1832-1861) ermordet wurde, erhöhte das den diplomatischen Druck der westlichen Mächte noch einmal und schließlich wurde am 24. Januar 1861 der Vertrag zwischen Preußen und Japan abgeschlossen.

Heute genau vor 160 Jahren unterzeichneten Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg am 24.01.1861 für Preußen und auf japanischer Seite die drei bevollmächtigten Muragaki Awaji-no-Kami Noromasa, Takemoto und Kurokawa einen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, allerdings ohne Einbeziehung der kleineren Staaten des Deutschen Bundes, der Hansestädte und des deutschen Zollvereins. Laut Artikel 1 „soll ewiger Friede und bestaendige Freundschaft bestehen zwischen Seiner Majestaet dem Koenige von Preuszen und seiner Majestaet dem Taikuhn von Japan, ihren Erben und Nachfolgern, sowie auch zwischen den beiderseitigen Unterthanen“. Graf zu Eulenburg  fiel ihm ein Stein vom Herzen. Zitat: „Ich beschenkte die Gouverneure und den japanischen Dolmetscher mit Säbeln, Uhren, Opernguckern, Bernstein etc. und speiste sie mit wildem Schweinsbraten und Sekt. Um 5 gingen sie weg, und ich trug meinen Vertrag in mein Stübchen und drückte ihn an mein Herz wie ein schwer zur Welt gekommenes Kind. Heute ist der Geburtstag Friedrichs des Großen. Möge es ein gutes Omen sein….“

Das 1871 gegründete Kaiserreich Deutschland übernahm diesen Vertrag, der seither als Begründung der offiziellen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan gilt.

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